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Hygiene im Krankenhaus der Zukunft

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Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian, international bekannter Hygieniker und Infektiologe, über die Herausforderungen der Krankenhaushygiene der Zukunft.

Univ.-Prof. Dr. Ojan Assadian

International bekannter Hygieniker und Infektiologe © Foto: WILKE FOTOSTUDIE

Krankenhäuser befinden sich aktuell in einer Zeit des Umbruchs – inwieweit trifft das auch auf die Hygiene im Krankenhaus zu?

Eine der spannendsten Herausforderungen wird es in Zukunft sein, Personal mit der richtigen Qualifikation und Ausbildung zu finden. Nachdem Hygienefachkräfte aktuell Mangelware sind, gilt es für die Personalverantwortlichen der Krankenhäuser, gezielt nach Personen zu suchen, die eine fachliche Ausbildung im Bereich Infektiologie, Infektionsdiagnostik und -prävention haben bzw. sich hauptberuflich mit der Hygiene im Krankenhaus auseinandersetzen. Zudem sollte auch unbedingt dafür gesorgt werden, das bestehende Personal dementsprechend fort- und weiterzubilden.

Wie könnte das Problem noch behoben werden?

Durch technische Unterstützung kann der Problematik entgegengewirkt werden, indem man auf Systeme setzt, die in der Lage sind, die Aufgaben eines Hygienikers zu übernehmen bzw. die Aufgaben des Pflegepersonals zu vereinfachen. IT-Systeme sind mittlerweile in der Lage dazu, beispielsweise Laborparameter oder klinische Symptome in den Krankengeschichten der PatientInnen auszulesen und zu analysieren. PatientInnen mit Infektionen werden demzufolge erfasst und aufgenommen, was wiederum dazu führt, dass einerseits das Personal entlastet wird, neu geschult werden muss.  Zudem wird die Infektionserfassung durch die Computeranalyse spezifischer. Der Trend zur digitalen Verlagerung bringt den Krankenhäusern zudem einen Vorteil hinsichtlich der Ressourcenbündelung.

Haben sich also die Hygienestandards in Zeiten der Digitalisierung verändert?

Natürlich haben sie sich geändert, aber ich denke nicht aufgrund der Digitalisierung, sondern aufgrund der Durchführung von Studien. Noch vor 20 Jahren war das Wissen über die Hygiene davon geprägt, dass jemand etwas gesagt oder behauptet hat und das wurde dann geglaubt. Heutzutage führen wir Studien durch, um Hypothesen zu prüfen und dementsprechend zu bestätigen oder zu widerlegen und schulen unser Personal anders. Vor allem im Bereich der Hygiene haben wir eine massive Datenlage – die Aussage, dass durch die Desinfektion der Hände vor und nach dem Kontakt mit einem Patienten Infektionen vermieden werden können, ist beispielsweise klinisch besser gestützt als die Empfehlung, den Blutdruck eines Patienten zu senken.

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