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Chancen und Learnings der Pandemie

Photo: Mascha Tace via shutterstock

Welche Herausforderungen liegen noch vor uns? Was konnten wir durch die Corona-Pandemie lernen? Wie wird sich das Gesundheitswesen verändern und welche Maßnahmen helfen, um die notwendige Digitalisierung nun anzugehen? – Mit diesen Fragen haben sich unsere Experten der Gesundheitsbranche beschäftigt. 

Günter Schreier

Digital Healthcare Information Systems Center for Health and Bioresources, AIT Austrian Institute of Technology

Mit Telemedizin durch die Pandemie

Eine zentrale Erkenntnis aus der Pandemie war, dass Distanz auch etwas Positives sein kann und Sicherheit vermittelt. Das hat die Risikobalance verändert. Vor der Pandemie wurde Distanz im Telemedizin-Kontext oft als Risiko wahrgenommen. Wie kann ich dieses Risiko beherrschen, wenn sich Patient und Health Professional nicht am gleichen Ort befinden? Das war eine zentrale Frage. Vor der Pandemie wurde Distanz z. B. im Telemedizin-Kontext als oft mit Risiko wahrgenommen. Welches Risiko geht davon aus und wie kann ich dieses Risiko beherrschen, wenn sich Patient und Health Professional nicht am gleichen Ort befinden, das war eine zentrale Frage. Nun wurden, zumindest vorübergehend, ausschließlich telefonische Konsultationen und Verschreibungen gesetzlich ermöglicht und auch extensiv praktiziert, während diese vor der Pandemie nur unter sehr engen Rahmenbedingungen akzeptiert wurden. Darüber hinaus wurde deutlich, wie wichtig die digitale Infrastruktur, wie die ELGA, für das Gesundheitswesen ist.

Zusammenfassend hat sich die Stimmung für Digital Health durch die geänderte Risikowahrnehmung deutlich aufgehellt. Es bleibt zu hoffen, dass uns diese Aufbruchstimmung erhalten bleibt und der Schwung ausreicht, noch vorhandene Widerstände und Bedenken zu überwinden.

Mit unseren Technologien im Bereich von Telemedizin sowie der jährlichen Digital Health Tagung versuchen wir die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter zu begleiten, heuer am 11. und 12. Mai unter dem Motto: „Digital Health – navigating healthcare through challenging times“

Thomas Bredehorn

Stv. Abteilungsleiter Health Care Logistics am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

Krankenhauslogistik – Lernen aus der Pandemie

COVID-19 hat verschiedenste Handlungsfelder im Bereich der Krankenhauslogistik offenbart. So sind Wertschöpfungsketten, Beschaffungswege, Prozesse und Bauplanungen zukünftig kritischer zu hinterfragen und planerisch zu erweitern.

Es gilt nicht mehr nur, unter gegebenen qualitativen Aspekten, das günstigste Produkt von einem Hersteller/Händler zu beschaffen, sondern sich diversifiziert und „beschaffungssicher“ aufzustellen. Es wird zu einer Verteilung des Beschaffungsrisikos auf „mehrere Optionen“ kommen. Gleichwohl muss überlegt werden, inwieweit es eine öffentliche Aufgabe ist, die Verfügbarkeit von kritischen Produkten sicherzustellen und ggf. regulativ einzugreifen. Auch „optimale“ Bestellmengen obliegen nicht mehr nur rein logistischen Parametern wie einem prognostizierten Verbrauch. Hier kann der zukünftige Einsatz von Künstlicher Intelligenz einen signifikanten Mehrwert bringen.

Neben der Beschaffung, Bestellung und Lagerung von Artikeln gilt es zudem bei zukünftigen Baumaßnahmen COVID-19 und die Erkenntnisse daraus als weiteren Planungsaspekt mit einfließen zu lassen. Bei Bauplanungen muss die Frage beantwortet werden, wie es baulich und prozessual sichergestellt werden kann, dass unter „besonderen Bedingungen“, Personal und Patientenströme von Materialflusswegen im Krankenhaus getrennt werden können. Wie sind unter pandemischen Bedingungen Personen- und Materialströme zu steuern? Viele Fragen und nicht alle Fragen sind bereits heute beantwortet – eine längerfristige Aufgabe!

Mag. Elisabeth Potzmann

ÖGKV-Präsidentin

Effizienzsteigerung durch Digitalisierung

Aus Sicht der Pflege liegt ein sehr herausforderndes Jahr hinter uns. Die Herausforderungen, welche die Pflege jetzt zu stemmen hat, datieren jedoch bereits Jahrzehnte zurück und werden uns auch nach der Pandemie noch lange beschäftigen. Politisches Diskussionsfeld war und ist das erforderliche Qualifikationslevel von professionell Pflegenden sowie die Personalknappheit. Dass die Pandemie einen Lichtkegel auf Defizite legt, ist bekannt. In diesem Zusammenhang wurde schnell klar, dass bei komplexen Anforderungen schnell geschultes Personal nicht reicht. Es bedurfte Menschen, die komplexe Situation zu bewältigen wussten. Da ging es etwa um Besuchermanagement, das Thema Hygiene und um Pflege im Hochakutbereich. Die Ausbildung zur erfahrenen Intensivpflegekraft dauert Jahre. Diese müssen im Krisenfall also bereits in ausreichender Zahl vorhanden sein, sonst ist es zu spät. Aus der Sicht der Geldgeber ist es nachvollziehbar, die Ausbildung so kurz wie möglich zu halten, damit das Personal zur Verfügung steht. Werden allerdings auch die daraus resultierenden Opportunitätskosten in Betracht gezogen, so sieht die Rechnung schnell anders aus. Deprofessionalisierung führt rasch zu einem Qualitätseinbruch. Wir sehen in einer Neuverteilung der Aufgaben eine große Chance. Hier kommt uns die Digitalisierung im Gesundheitswesen sehr entgegen: Durch die damit verbundene Effizienzsteigerung kann auch in der Pflege eine Entspannung bei hohem Arbeitsaufkommen erreicht werden. Jetzt ist es wichtig, sich keine Denkverbote aufzuerlegen und eingefahrene Prozesse völlig neu zu denken. eHealth gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung.

Univ.-Prof. Dr. med. Lars-Peter Kamolz

MSc. Präsident des Verbands der leitenden Krankenhausärzte Österreichs, VLKÖ

Infrastruktur und Digitalisierung sind wichtig, aber nichts geht ohne den Menschen 

Spitzenmedizin wird in Zukunft noch mehr an gute Infrastruktur und Digitalisierung gekoppelt sein. Neben diesen Faktoren ist es aber vor allem der Mensch, der erst eine hochwertige Medizinische Versorgung möglich macht. Betten, selbst Intensivbetten, kann man rasch schaffen, aber das zum Betreiben notwendige Personal, kann man bei Bedarf nicht oder nur sehr schwer aus dem Hut zaubern. Darauf werden wir in Zukunft noch mehr achten müssen, dass wir hochkompetentes und hochmotiviertes Personal in ausreichender Menge zur Verfügung stehend haben müssen.  

Das Jahr 2020 war sicherlich in vielerlei Hinsicht herausfordernd, aber auch „beglückend“ zugleich.  Als große Herausforderung wurde die Zeit ab März 2020 wahrgenommen. 

Umso schöner war es aber zu erleben, was alles in kurzer Zeit möglich war und ist, wenn alle Menschen an einem Strang ziehen, Grenzen über Abteilungen und Kliniken hinweg im Interesse der Zusammenarbeit überschritten werden und ein gemeinsamer Weg beschritten wird. 

Die COVID-Zeit hat mich aber auch sehr dankbar gemacht – Dankbar dafür, dass unsere Abteilung und die Menschen, die an ihr arbeiten, nie ihre eigentliche Kernaufgabe – nämlich moderne und qualitativhochwertige plastische chirurgische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, aus dem Auge verloren haben. Ganz im Gegenteil, sehr rasch haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die „neuen“ Regeln und Hygienebedingen gewöhnt, sodass die 2. Jahreshälfte unter dem Motto „Mit Sicherheit immer für Sie“ stand. Danke dafür.

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